Hanoi – Good Morning Vietnam!

Okay, wir kamen mit dem Flieger am Nachmittag an, aber der Film ist nun mal legendär.

Entgegen vieler Angaben in den Weiten des Internets, wagten wir die Einreise in die sozialistische Republik, ohne zuvor ein Visum bei der Botschaft in Deutschland beantragt zu haben. Wir hatten einen zuvor erworbenen „visa approval letter“ als Ausdruck dabei und nach der Landung wurde uns hiermit, gegen 45 US-Dollar Gebühr und die zusätzliche Abgabe eines Passfotos, ein schickes Visum in den Reisepass geklebt. Die anschließende Passkontrolle war auch nicht der Rede wert und so fanden wir uns kurze Zeit später im etwa 20 Grad warmen Hanoi wieder.
Hier folgte auch gleich der erste Kulturschock: Vietnamesen sind leider ganz schön aufdringlich. Kaum zehn Meter durch den Flughafen gegangen, da kommen auch schon zwei (unfreundliche) Taxi-Angebote. Da der Flughafen ziemlich weit außerhalb liegt – wir lieben den Hamburger Innenstadtflughafen – kommt man aber um ein Taxi nicht herum. Also stiegen wir mutig als frischgebackene Dong-Millionäre (der Umrechnungskurs 1:27000 ist echt nervig) in ein Taxi. Netterweise fuhr uns der Taxifahrer nicht direkt in unser bereits gebuchtes Hotel, sondern zu einem anderen Hotel, wo wir bestimmt auch gut untergekommen wären – und er die entsprechende Provision kassiert hätte. So etwas nervt. Da er meinte, anschließend noch eine extra Runde drehen zu müssen – der Taxameter lief munter weiter – gab es quasi „Negativ-Trinkgeld“. Wir zahlten also nicht ganz den angezeigten Betrag und komischerweise beschwerte der Taxifahrer sich nicht einmal. Er wusste ganz genau, was er mit uns abziehen wollte.

Das Hotel für die beiden Nächte in Ha Noi ist okay, aber auch nicht der Rede wert. Das Zimmer liegt glücklicherweise nicht zur lauten Straße, die Glasbausteine lassen sich aber ohnehin nicht öffnen…

Der erste Abend gestaltete sich gewöhnungsbedürftig, das ständige Hupen, die aufdringliche Nähe – Vietnamesen mögen Körperkontakt – und das große Gewusel verlangten uns einiges ab. Wir dachten bisher, dass wir schon einiges gesehen und erlebt haben. Weit gefehlt.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem guten Frühstück auf den Weg durch die Straßen und Gassen der 6,5 Millionen-Metropole und beschränkten uns dabei auf die Altstadt. Der Lonely Planet nennt zu dem Spaziergang das Wort „schlendern“, was uns heute einen schönen Lacher beschert hat. Schlendern ist hier wohl eher mit dem Tod oder zumindest mit Bösen Verletzungen gleichzusetzen. Wer hier nicht aufpasst, kommt buchstäblich ganz schnell unter (mindestens zwei) Räder. Gehwege sind Restaurants, Kramerläden oder Parkplätze, dem geneigten Fußgänger bleibt somit die Straße, auf der es wenige Verkehrsregeln und so gut wie keine Ampeln gibt. Um es kurz zu machen: es ist ein riesiges Chaos.

20130303-225618.jpg

Wenn wir nicht gerade angehupt oder angesprochen wurden, bewunderten wir die teils nach ausgeübten Handwerken unterteilten Straßen und „schlenderten“ vorbei an Eisenwaren, Gewürzen, Schuhen, Spielzeugen und Seide. Unser Weg führte uns zum Hoa-Lo Gefängnis, welches bereits zu Zeiten der Kolonialherrschaft von den Franzosen errichtet wurde. Das Gefängnis wurde später von den Vietnamesen weiterhin genutzt, unter anderem saß hier während des Vietnamkriegs ab 1967 der spätere Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner John McCaine ein, der zuvor als Pilot eines Kampfflugzeugs abgeschossen worden war. Als nötigen Kontrast besuchten wir am Nachmittag eine Aufführung des Wasserpuppentheaters. Die am Vorabend erworbenen Karten hierfür kosteten weniger als ein Stück Kuchen und zwei Kaffee im angegliederten Café Helio. Irgendwie suspekt.

20130303-225639.jpg

20130303-230140.jpg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.