Hoi An Photo Tour – und sie lächeln doch!

Dass sich das frühe Aufstehen in einem Land wie Vietnam lohnt, haben wir ja schon ein paar Mal betont. Heute jedoch war es noch besser: während Henning bis neun Uhr schlafen durfte, riss mich gegen halb fünf mein Handywecker mit dem wunderbaren Lied „Pocketful of Sunshine“ aus ruhigen Traumwelten (außerhalb Vietnams) aus meinem Schlaf. Bereits gegen fünf Uhr sollte ein Pick-Up Service für meine gebuchte Hoi An Photo Tour an meinem Hotel bereitstehen.
So geschehen, saß ich kurz nach fünf Uhr in einem hübschen Minivan, in dem noch ein Fahrer, der Fotograf Pieter Janssen und drei Liebhaber der Fotografie saßen. Zwei der Liebhaber hatten so riesige Photoausrüstungstaschen dabei, dass mir Angst und Bange wurde. Naja…abwarten, dachte ich.

Wir fuhren nun einige Kilometer bis zur Fähranlegersteller an der Trân Nhân Tông in Cãm Thanh (in der Nähe des Coconut Village), wo wir wenig später zur gegenüberliegenden Flussseite übersetzten.

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In der Zwischenzeit gab es aber erstmal einen vietnamesischen Kaffee, der immer sehr stark ist und gerne auch entsprechend süß getrunken wird. Dieser war auch wieder anders, denn er wurde als Tasse in einem Glas, gefüllt mit warmen Wasser, serviert. Durch das warme Wasser sollte er nicht so schnell auskühlen…naja. Mit dem warmen Kaffee in der Hand begann nun eine kurze Vorstellungsrunde, in der wir nicht nur uns, sondern auch unsere Kamera vorstellen sollten und wie wir mit ihr am liebsten fotografieren. Das hörte sich sehr romantisch an, dachte ich und gleich überkam mich wieder die Angst vor der vollprofessionellen Ausstattung der anderen drei Kursteilnehmer. So begann der erste, ein Australier aus Brisbane sich und seine Kamera vorzustellen. Seinen Namen habe ich vergessen, wahrscheinlich weil ich mich so über seine Kamera freute. Er holte ganz schüchtern eine der neueren Canon Powershot heraus. Nicht größer als eine Zigarettenschachtel aber mit unendlich vielen Funktionen. Der Photograf Pieter reagierte gelassen, sehr sympathisch, denn es geht ja auch irgendwie in dem kurzen Workshop darum mit seiner Kamera „besser zu fotografieren“. Warum dann also auch nicht mit einer kleinen Digitalkamera?
Mein Nachbar, dessen Namen ich auch nicht mehr weiß, der aber auch aus Australien kam, zauberte eine zehn Jahre alte Pentaxspiegelreflexkamera hervor. Dann war ich an der Reihe und brauchte mit der Canon EOS 500D SLR nun kein schlechten Gewissen mehr zu haben. Immerhin hatte sie mir bisher auch noch nie ihre Dienste versagt. Die letzte an der Reihe, die Tante des jungen Australiers aus Brisbane stach nun alle mit ihrer Canon EOS 5D – übrigens das gleiche Modell wie von Pieter.

Nachdem wir nun also alle wussten, wer wer ist und was wer so an kleiner und großer Technik dabei hat, ging es auf die Fähre und wir setzten über. Auf der anderen Flussseite erwartete uns ein wahres Spektakel – der allmorgendliche Fischmarkt von Hoi An. Pieter gab viele Tips, was man alles beim Photographieren beachten muss. Einige technische Tips im Umgang mit der Kamera waren wirklich neu, andere kannte man schon, nur leider waren sie weit weg gerutscht im Kopf. Also wurde ich durch Pieter an sie erinnert – auch nicht schlecht, dachte ich.

Die Vietnamesen sind ein Volk, die das Wort „Privatssphäre“ nicht kennen. Das rührt daher, dass viele Familienmitglieder und mehrere Generationen meist in einem Haus aufwachsen und dabei alles teilen, wie auch ihr Bett. Während der letzten drei Wochen haben wir darüber hinaus beobachtet, dass Vietnamesen ihrer Körperpflege meist in aller Öffentlichkeit nachgehen, sei es das Schnäuzen, in der Nase bohren, Schminken, Haare entlausen – oder entwirren. Die Liste ist lang. Es gibt also so richtig keine Privatsphäre, aber einfach die Menschen zu fotografieren, weil man glaubt, sie leben so öffentlich und seien daher auch immer ein passendes Motiv, funktioniert auch nicht. Also lernten wir die Begrüßungsworte „Xin Chào“, was soviel wie „Hallo“ bedeutet und das Wörtchen „dep“ mit der Bedeutung „schön“. Beides nacheinander mit einer anerkennenden Pause ausgesprochen öffneten uns nun alle Türen in die verschlossenen Teile der offenen Privatsphäre der Vietnamesen. Ganz schön kurios, aber tatsächlich habe ich somit viel mehr Menschen getroffen, die mich nach dieser Begrüßung anlächelten.

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Pieter führte uns nun direkt zum Fischmarkt, wo wir den Handel beobachten und natürlich nach der erlernten Kontaktaufnahme auch fotografieren durften. Die Zeit verging im Flug, so dass Pieter Mühe hatten uns vier einzusammeln und anschließend zusammenzuhalten. Als Pieter dies gelang, suchten wir ein Frühstückslokal auf, in dem uns ein für Hoi An typisches Baguette – sehr lecker – serviert wurde.

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Später ging es noch in eine Fabrik, in der Fischsoße hergestellt wurde. Wer diesen Geruch von Fischsoße aus der Flasche kennt, der möge ihn sich bitte in einer Fabrik vorstellen! Unglaublich.
Ein paar Tipps für das Fotografieren im Dunkeln lenkten von diesem – man kann echt sagen: Gestank – ab.

Durchs Dorf ging es zurück über den Fischmarkt – der nun als solcher nicht mehr zu erkennen war – zur Fähre und mit dem Rad nach Hoi An. Die Tour war für mich eine Art erster Einblick in lächelnde vietnamesische Gesichter und deren Tagesbeginn. Sehr traurig wiederum, dass es dafür drei Wochen brauchte und es vorher nur mal den ein oder anderen gab, der meine Locken toll fand und mich anlächelte. Das ist irgendwie schade, aber der Morgen mit Pieter und den anderen drei Hobbyfotografen war dafür sehr schön.

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Noch was nebenbei: Pieter lebt übrigens schon acht Jahre in Vietnam und es ist für ihn manchmal immer noch schwer sich als „Fremder“ zurechtzufinden. Manche Erlebnisse, die ich ihm von unserer Reise erzählte sind wohl wirklich „vietnamesisch“ und für einen Mitteleuropäer schwer nachzuvollziehen – für ihn auch nicht.

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2 Gedanken zu „Hoi An Photo Tour – und sie lächeln doch!

  1. Thommy

    Klasse – schöne Fotos. Man bekommt einen kleinen Eindruck von der Atmosphäre.
    Hamburg, 07:00 Uhr, minus 1 Grad, Schneematsch, heißer Kaffee im Büro

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  2. Wolfgang

    Nach dem Schneeschieben bei minus 1 Grad habe ich mir eure Berichte und tollen Photos gerne angeschaut und versucht die Sonne einzufangen, hat leider nicht geklappt. Genießt die Eindrücke und das Wetter:)
    Bis bald in der schönsten Stadt der Welt: zurzeit ist alles weiß, der Himmel grau und es schneit schon wieder.

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