Hue, die alte Kaiserstadt

Der Nebel frisst sich den Ai-Van-Son-Gipfel herab, seine 1172 Meter bleiben im weißen Schleier verborgen. Sind es vielleicht sogar schon Wolken, in deren weißen Dickicht unsere Blicke enden? Immerhin befinden wir uns auf dem Hai-Van-Pass, dem Seewolkenpass, der im 15. Jahrhundert die Grenze zwischen Vietnam und dem Königreich Champa markierte. Heute ist es eine Klimagrenze, die Da Nang warm und trocken sein lässt, während es auf nördlicher Seite feucht und kalt sein kann. Feucht und kalt ist es auch während unseres ersten Stopps, den unser angeheuerter Fahrer „Wuk“ – wieder einmal werde ich einen Namen falsch geschrieben haben – angesteuert hat. Mitten im Nebel / Wolkenvorhang befinden sich die Überreste eines Bunkers und einer Bank, die wohl aufgrund der doch etwas sehr speziellen Lage dicht gemacht hat. Wuk trinkt einen Kaffee, den er nicht bezahlen muss, da wir dafür die Geschäftstüchtigkeit einer Verkäuferin zu spüren bekommen. Wir erwehrten uns also ein weiteres Mal, angebotenen Kitsch einzukaufen. Der laut unserem Reiseführer, der von uns mittlerweile liebevoll „Lying Planet“ genannt wird, angepriesenen Aussicht können wir uns aber aufgrund des Nebels / Wolkenvorhangs nicht hingeben.

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Zuvor machten wir Station an den Marmorbergen (Ngu Hanh Son), die wir in weltmännischer Manier mit dem Panoramafahrstuhl erklommen. Oben angekommen gibt es einige Pagoden zu sehen und beim Blick an den Füße des Berges ein Trümmerfeld mit kreischenden Kettensägen oder sonstigen Werkzeugen, mit denen der mittlerweile aus China importierte Marmor zu kunstvollen Statuen bearbeitet wird. Nein, auch hier möchten wir nichts kaufen.

Weiter – mittlerweile hinter dem Seewolkenpass – nach Hue. Zwischenstopp an der Thien-Mu-Pagode, die oberhalb des Parfümflusses liegt. Mit ihrem achteckigen Turm (Thap Phuoc Duyen) ist die Pagode eines der Wahrzeichen Vietnams. Alles hier wurde irgendwann mal zerstört, dann wieder aufgebaut und was hier eigentlich noch original und was irgendein Nachbau ist, dürfte so recht niemand mehr wissen.

Wir fahren weiter zur Zitadelle, die mit ihren zwei Meter dicken und zehn Kilometer langen Mauern und dem breiten Burggraben die Kaiserstadt und die Verbotene Purpurstadt beherbergt. Die Zitadelle ist nicht zu übersehen, ein 37 Meter hoher Flaggenturm weist uns den Weg. Mit uns sind wenige Besucher in der Anlage, was an den unerbitterlichen Temperaturen der mittlerweile vorherrschenden Mittagszeit liegen dürfte.

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Nach zwei Stunden kehren wir zu Wuk zurück und er fährt uns zum späten Mittag in ein Restaurant.

Südlich von Hue gibt es diverse Gräber der Nguyen-Kaiser (1802 – 1945). Wir suchen das Grab von Tu Duc auf, obwohl uns der Lying Planet schon zuvor verraten hat, dass der 153 cm „große“ Tu Duc hier niemals beerdigt wurde. Seine Überreste und der mit ihm vergrabene Schatz sind bis heute verschollen, alle 200 Diener, die ihn beerdigten, wurden anschließend geköpft. Willkommen im 19. Jahrhundert.

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