Sapa und genug vom Norden

SaPa (manchmal auch Sapa) ist die bedeutendste Stadt in Nordvietnam. Zu verdanken hat SaPa dies seiner Lage, inmitten des Hoang-Lien Nationalparks und kurioserweise wohl auch den Franzosen, die hier im Jahr 1880 diesen Ort um eine Bergstation herum gründeten. So entwickelte sich seitdem die Stadt zu einem Erholungsgebiet zwischen Reisfeldern bei angenehmen Durchschnittstemperaturen von 15 – 18 Grad Celsius.
Was SaPa heute darstellt, ist schwer zu beschreiben. Zum einen ist es ein fantastischer Ausgangspunkt für Wandertouren (Treks), zum anderen aber nicht viel anders als das bereits erlebte und beschriebene Hanoi (hupende Mopedfahrer, vermülltes Stadtbild und teils sehr aufdringliche Menschen). SaPa ist eine Mischung aus Bergen, Reisfeldern, Kitsch und Müll. Umgeben von Dörfern der Hmong und der Dao, wobei die Hmong die Straßen des Ortes schon früh am Morgen belagern, um den in Minibussen anreisenden Touristen ihre wohl teilweise handgemachten Waren feilzubieten. („Hello, where are you from? Wanna buy something for me? Lucky day! Maybe later? What’s your name?“) Die sich anfangs noch begeistert zeigenden Touristen merken schnell, dass so eine Gruppe von zehn bis zwanzig Hmong-Frauen ganz schön anstrengend werden kann. So auch wir.

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Am ersten Tag – nach der romantischen Anreise im Orient Express – erkundeten wir den Ort und bestiegen den Ham Rong. Die Mischung aus Märchenwald und Naherholungsgebiet, teilweise ein aus Beton gegossener Alptraum, lässt sich auch für den ungeübten Wanderer gut erkunden. Die Aussicht von der errichteten Plattform ist schön, jedoch wird diese durch den SaPa scheinbar zu jeder Zeit umgebenden Nebel begrenzt.

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Für den zweiten Tag buchten wir einen 13 Kilometer langen Trek in das Dorf Lao Chai. Neben uns und der Führerin, einer Hmong, waren sieben weitere Personen angekündigt. Beim Start begleiteten uns dann netterweise noch einmal fast genauso viele Hmong Frauen, die mit den Teilnehmern mehr oder weniger geschickt Smalltalk betrieben („Hello, where are you from? What is your name?“) und nicht selten auf den teilweise holperigen Pfaden im Weg standen. Mittags kamen wir in Lao Chai an, wo wir zu Mittag essen sollten. Zunächst einmal fielen jedoch neben den uns schon begleitenden Damen weitere Horden über uns her, die allesamt etwas zum Verkauf anboten. Es war wirklich beschämend und teilweise kam die Szenerie den Horden von bettelnden körperlich Behinderten gleich, wie man sie seit der EU-Osterweiterung in vielen europäischen Städten erleben kann.
Nach dem Mittagessen ging es nahezu im Laufschritt weiter durchs Dorf und es gab noch einen kurzen Intensivkurs in Textilgestaltung und sonstigen Traditionen der Hmong.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu unserem Bus, der uns zurück nach SaPa fahren sollte – niemand sollte zu Fuß die Straße entlang laufen, sofern ihm sein Leben lieb ist. Drei ebenso waghalsige wie unnötige Überholmanöver später, waren wir dann wieder in SaPa.

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Den dritten Tag ließen wir langsam angehen und packten nach dem Frühstück erst einmal die Rucksäcke. Anschließend machten wir uns gemeinsam mit unserem Muskelkater auf den Weg nach Cat Cat. Für den Besuch des Dorfes wird ein Eintritt fällig – wie so oft zahlten wir knapp das Doppelte von dem, was unser Reiseführer zu berichten wusste. In der Hoffnung, dass unser Eintrittsgeld irgendwie auch den Bewohnern des Dorfes zu Gute kommt, stiegen wir viele viele Treppen zwischen zerfallenden Wohnhäusern und Reisfeldern hinab und wieder hinauf. Auch wenn diese Tour schon gut vermarktet wird und anhand der erbauten Wege usw. auch zu sehen ist, dass hier in die Infrastruktur investiert wird, so steht Vietnams Norden dennoch ganz am Anfang. Dem Sprichwort „Gebt ihnen keine Fische, sondern lehrt ihnen das fischen.“ entsprechend, wäre es beispielsweise sinnvoll, am Straßenrand einen Müllbehälter aufzustellen, damit den Bewohnern in dieser schönen Umgebung die Bedeutung bewusst wird. Doch offensichtlich ging für die Bergdörfer in Vietnam die touristische Entwicklung einfach zu schnell und man kann sich ausmalen, wie es in einigen Jahren hier aussieht. Oft sieht man ungepflegte Kinder, denen anstatt in die Grundschule zu gehen, auferlegt wird, die in China billig eingekauften Taschen oder Tücher als eigene Handarbeiten zu verkaufen. Da es die Möglichkeit der Körperpflege durch ein funktionierendes Abwassersystem durchaus gibt und sogar in dem kleinen Dorf Cat Cat eine Grundschule zu sehen war, fragt man sich nun, was hier anders läuft oder ob man vielleicht doch noch nicht alles verstanden hat. Die Zukunft der Kinder wird sich von der Gegenwart der Eltern vermutlich wenig unterscheiden.
Wir lernen immer mehr von Vietnam kennen und um es endlich zu verstehen….bleiben uns ja auch noch drei Wochen.

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3 Gedanken zu „Sapa und genug vom Norden

  1. Thommy

    Was macht Henning da auf dem einen Foto?
    Das Maskenschwein auf der faulen Haut bekommt 5 Punkte.
    Hamburg, Sonne, 10 Grad

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    1. HenningBirgit Beitragsautor

      Das ist riesen Haufen Büffelkacke, an dem wir diesmal ohne Foto nicht vorbeikamen. Schön, dass du so fleißig mitliest. Ich halt auch weiterhin Ausschau nach lustigen Tieren für dich. Liebe Grüsse aus dem 28 Grad warmen Hanoi.

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  2. Kyungwon

    I found the cold of N. Vietnam a wonderful break from the heat of Thailand. I was absoeutlly loving the cold rain and fog at the time, but it sounds like you’re over it at this point. At least you have sun and heat just a short hop away—no such luck here in Eugene, where the rain keeps falling and falling and falling.

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